
Publikation
Logiscience
Abduktive Consilience als Methode der logischen Wissensvernetzung
Zusammenfassung
Wissenschaften, die komplexe Systeme untersuchen, ohne sie formalisieren zu können, verfügen über keine Ableitung, die von der primären Empirie zur Anwendung führt. Dieser Beitrag benennt die daraus entstehende methodologische Lücke. Sie entsteht nicht aus fehlenden Daten, sondern aus vier Ursachen: der disziplinären Fragmentierung des vorhandenen Wissens einschließlich seiner sprachlich und lizenz-rechtlich bedingten Unerreichbarkeit, seiner fehlerhaften Kombination, systemischem Bias und Deutungs-rastern, die biphasische und neurobiologisch regulierte Effekte als Widerspruch erscheinen lassen. Für die Methode, die diese Lücke schließt, führt der Beitrag den Begriff Logiscience ein, definiert als die sys-tematische Erzeugung neuer Erklärungskraft durch abduktive Consilience unter expliziter Bias-Kontrolle, ausgehend von bestehendem, aber disziplinär fragmentiertem Wissen. Er verankert den Begriff wissen-schaftstheoretisch über Peirce (Abduktion), Whewell und Wilson (Consilience), Ioannidis (Metascience) und Popper (Falsifizierbarkeit) und veranschaulicht ihn an einem einzigen, durchgehend geführten Lehr-beispiel. Als Folgeforderung der Definition führt er die Kontextpflicht ein: Was aus vorliegendem Wissen folgerichtig hervorgeht, gehört mit ausgewiesenem Erkenntnisstatus und mindestens einer prüfbaren Vor-hersage in das Erklärungsbild. Die explizite Bias-Kontrolle begründet der Beitrag als konstitutives Element der Methode; ihre Ausarbeitung zu einer eigenen Systematik bleibt einer gesonderten Arbeit vorbehalten. Abschließend wendet der Beitrag Logiscience auf sich selbst an: Er weist den Erkenntnisstatus der Metho-de aus und benennt die Vorhersage, an der sie scheitern kann.
Zitationsvorschlag
Fritsch T. Logiscience. Abduktive Consilience als Methode der logischen Wissensvernetzung. NAM-Journal 2025. DOI: 10.64447/2025nam0002