
Publikation
Die Pause
Warum der Körper die Frequenz misst und die Steuer die Konzentration
Zusammenfassung
Die Zahnmedizin hat die Frage, um die es hier geht, 1944 beantwortet. Robert Stephan maß den pH-Wert im Zahnbelag vor und nach einer Zuckerspülung und fand: Der Wert fällt binnen zwei bis fünf Minuten unter die Schwelle, ab der Schmelz sich auflöst, und bleibt dort zwanzig bis vierzig Minuten, bevor der Speichel ihn zurückholt. Daraus folgt der Satz, den jede Kariesprophylaxe seither trägt: Über das Risiko entscheidet nicht die Menge des Zuckers, sondern die Zahl der Expositionen und die Summe der Zeit unterhalb der Schwelle. Wer eine Tafel Schokolade in fünf Minuten isst, erzeugt eine Kurve. Wer dieselbe Tafel über den Tag verteilt, erzeugt zehn — und der Zahn hat dazwischen nie Zeit zur Remineralisation. Der erste Befund dieser Ausgabe ist, dass dieselbe Logik unterhalb des Zahns weiterläuft. Der wandernde Motorkomplex, der Hausmeister des Dünndarms, arbeitet ausschließlich im Nüchternzustand, alle 90 bis 120 Minuten, und jede Nahrungsaufnahme bricht ihn ab. Seine kräftige Phase räumt Debris und Bakterien aus dem Dünndarm in den Dickdarm; fällt sie über längere Zeit aus, begünstigt das die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms. Auch die postprandiale Entzündung folgt einem Takt: Jede Mahlzeit erzeugt eine mehrstündige Welle mit Interleukin-6-Anstieg und Endotoxinanflutung. Bei drei Mahlzeiten am Tag klingen drei Wellen ab. Bei zehn Konsumereignissen überlagern sie sich zu einem Dauerzustand — und die Silent-Inflammation-Architektur der NAM-ZahnHeilkunde beschreibt genau diesen Dauerzustand als Säule 2.
Zitationsvorschlag
Fritsch T., Avgerinos S. (2026): Die Pause. Kalkulierte Süße, Ausgabe 2. Salzburg: NAM Journal.