
Publikation
Das orale Gedächtnis
Eine Definition der Speicherung anthropogener dentaler Artefakte und Interventionen: Wege, Orte, Dauer und die Kopplung an die Mouth-Brain-Body-Connection
Zusammenfassung
Hintergrund.
Ein in die Mundhöhle eingebrachtes anthropogenes Artefakt — eine Füllung, eine Krone, ein Implantat, eine Extraktion — verändert das orale Milieu nicht vorübergehend, sondern dauerhaft. Der Begriff des oralen Gedächtnisses bezeichnet die physiologische Einschreibung dieser Veränderung in wirtseigene Speichersysteme. Trotz seiner klinischen Tragweite fehlte bislang eine präzise Definition: Über welche Wege wird gespeichert, an welchen Orten, über welche Zeiträume — und wie wirkt das Gespeicherte auf den übrigen Körper zurück?
Zielsetzung.
Diese Arbeit definiert das orale Gedächtnis als berechenbaren Vorgang. Sie unterscheidet zehn physiologische Speicherwege von zwölf anatomischen Speicherorten, führt eine zweistufige neuronale Kopplung Keff = Ktopo · M(t) ein, gewichtet die Speicherung über eine rezeptive Zonenfunktion R entlang der Zahnreihe und projiziert sie über einen dreifach verankerten Organbezug P auf den Körper.
Kernpunkte. Erstens ist jeder Reiz, der eine physiologische Antwort des Gewebes auslöst, ein Eingang ins Gedächtnis — ein eingesetztes Artefakt ebenso wie seine Entfernung: Auch die Extraktion ist ein Speichervorgang, dessen postextraktiver Situs über Jahre weiterarbeitet. Zweitens ist das mesencephale Trigeminusneuron (Mes5) die einzige Stelle des Körpers, an der das erste sensorische Neuron im Zentralnervensystem liegt — die anatomische Grundlage dafür, dass der Mund als inneres Organ des Gehirns aufzufassen ist. Drittens geben alle Zähne über okklusale Last, Interferenzen, Lücken und Fehlstellungen kontinuierlich Signale ins Zentralnervensystem weiter. Viertens verhalten sich die hartgewebliche und die epigenetische Dimension irreversibel, während die übrigen mit einer kalibrierten Kinetik zerfallen.
Schlussfolgerung.
Der Mund besitzt nach dem Gehirn das komplexeste Gewebsgedächtnis des Körpers. Seine Definition über Wege, Orte, Kopplung und Projektion macht den Memory-Effekt eines Artefakts über die Zeit nachvollziehbar und auf die Mouth-Brain-Body-Connection übertragbar.
Zitationsvorschlag
Fritsch T. Das orale Gedächtnis. Eine Definition der Speicherung anthropogener dentaler Artefakte und Interventionen: Wege, Orte, Dauer und die Kopplung an die Mouth-Brain-Body-Connection. NAM-Journal 2026. DOI: 10.64447/2026nam0025