Kinesiologie in der Zahnheilkunde

Publikation

Kinesiologie in der Zahnheilkunde

Warum die Mundhöhle kinesiologisch nicht messbar ist — eine neuroanatomische Systematik

Autoren Fritsch T
2026
Deutsch
41 Seiten
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Zusammenfassung

Die Applied Kinesiology (AK) nach Goodheart (1964) verfügt über ein neuroanatomisch kohärentes Fundament: Der manuelle Muskeltest nutzt spinale Reflexbögen, deren afferente Zellkörper in peripheren Ganglien (DRG) liegen und deren Signalkaskade vollständig innerhalb des spinalen Systems abläuft. Für Reize, die über spinale Segmente verarbeitet werden (Extremitäten, Rumpf), ist der Muskeltest als diagnostisches Prinzip plausibel. Die Übertragung dieses Verfahrens auf die Mundhöhle — insbesondere für die Materialverträglichkeitstestung, „Störfelddiagnostik“ und Bisslagenfindung — beruht jedoch auf einem dreifachen Kategorienfehler. Erstens neuroanatomisch: Die orale Propriozeption operiert monosynaptisch über den Nucleus mesencephalicus trigemini (Mes5) auf Hirnstammebene — den einzigen Ort im Nervensystem, an dem primärafferente Zellkörper innerhalb des ZNS liegen. Der spinale Muskeltest kann dieses Hirnstamm-Signal nicht erfassen. Zweitens substanzlogisch: Die Mundhöhle ist ein Bioreaktor (Oraliom), der jedes eingebrachte Material innerhalb von Sekunden in ein dynamisches Reaktionsprodukt verwandelt. Die AK testet das Grundmaterial, nicht die Hunderte von Metaboliten, die im oralen Milieu tatsächlich mit dem Körper interagieren. Drittens methodisch: Die motorische Aktivität des Mundschlusses beim Testmanöver erzeugt über den Masseter-Vorspannungsbias (Concurrent Activation Potentiation) ein efferentes Rauschsignal, das jedes hypothetische afferente Materialsignal überlagert. Eine Systematisierung über die drei NAM-Säulen (Toxifikation, Stille Entzündung, Dynamische Funktion) zeigt, dass die AK in keinem der neun resultierenden Matrixfelder eine valide orale Diagnostik liefert.

Zitationsvorschlag

Fritsch T. Kinesiologie in der Zahnheilkunde. Warum die Mundhöhle kinesiologisch nicht messbar ist — Eine neuroanatomische Systematik. NAM-Journal 2026. DOI: 10.64447/2026nam0016