Therapeutische Low-Level-Nikotinbehandlung (LLN) in der Zahnmedizin

Publikation

Therapeutische Low-Level-Nikotinbehandlung (LLN) in der Zahnmedizin

Anti-inflammatorische Effekte jenseits der Tabaktoxizität

Autoren Fritsch T
2025
Deutsch
39 Seiten
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Zusammenfassung

Hintergrund: Die Mundhöhle weist aufgrund ihrer hohen Dichte an nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren (nAChRs) – insbesondere des α7-Subtyps – Potenzial als Zielgebiet für die therapeutische Anwendung von gereinigtem, niedrig dosiertem Nikotin auf. Während Tabakprodukte aufgrund ihrer komplexen Toxizität schwere orale Schäden verursachen, deuten präklinische Befunde darauf hin, dass kontrolliert applizierte Nikotinpräparate über die α7-nAChR-vermittelte Aktivierung des cholinergen anti-inflammatorischen Signalwegs entzündungsmodulierende Effekte entfalten können.

Ziel und Methodik: Diese narrative Übersichtsarbeit integriert (a) die molekularen Mechanismen der α7-nAChR-vermittelten Immunmodulation, (b) das Hormesis-Prinzip biphasischer Dosis-Wirkungs-Beziehungen, (c) das Oraliom-Konzept als Modulator therapeutischer Effekte sowie (d) die Säulensystematik der NAM-ZahnHeilkunde (Toxifikation – Stille Entzündung – Dynamische Funktion). Die Datenbasis umfasst publizierte präklinische, in-vitro- und epidemiologische Primärquellen sowie klinische Erfahrungswerte. Hauptbefunde: Niedrig dosiertes transdermales Nikotin (0,5–2 mg/24 h) zeigt in präklinischen und klinischen Studien anti-inflammatorische, angiogenetische und wundheilungsfördernde Eigenschaften, die sich kategorisch von den toxischen Effekten des Tabakkonsums (Zigarette, Zigarre, Snus, Vape) unterscheiden. Zahnmedizinische Artefakte (Amalgam, galvanische Ströme, Komposit-Monomere, Antiseptika) interferieren mit der α7-nAChR-Funktion. Die nikotinische Hypothese der SARS-CoV-2-Spike-Protein-Interaktion mit α7-nAChR liefert eine plausible, jedoch experimentell nicht abschließend bestätigte Erklärung für Long-COVID-Manifestationen. Schlussfolgerung: Die therapeutische Low-Level-Nikotinbehandlung (LLN) stellt im Kontext der NAM-ZahnHeilkunde ein hypothesengeleitetes Therapiekonzept für refraktäre orale Entzündungen, post-COVID-orale Manifestationen und ausgewählte Wundheilungsindikationen dar. Tabakkonsum bleibt nach derzeitiger Evidenz in jeder Form kontraindiziert. Kontrollierte klinische Studien zur Validierung der vorgestellten Konzepte sind erforderlich.

Schlüsselwörter: Low-Level-Nikotinbehandlung (LLN); transdermales Nikotin; α7-nAChR; cholinerger anti-inflammatorischer Signalweg; Hormesis; Oraliom; NAM-ZahnHeilkunde; Parodontitis; Wundheilung; Long COVID; Tabakäquivalent; Snus; Vaping

Zitationsvorschlag

Fritsch T. Therapeutische Low-Level-Nikotinbehandlung (LLN) in der Zahnmedizin: Anti-Inflammatorische Effekte. NAM-Journal 2025. DOI: 10.64447/2025nam0003